Gerechtigkeit vs. Ungerechtigkeit

von Michael:

Thema Gerechtigkeit vs. Ungerechtigkeit. Ungerechtigkeit ist in unserem Leben viel präsenter. Ich höre ganz selten Sätze wie „Das ist aber gerecht!“ (Außer bei schlechten Gefühlen wie z.B. Rache.)  Meistens hört man „Das finde ich aber ungerecht!“ Ich habe den Eindruck, dass es an dem Verfahren liegt. Denn wenn ich nicht zur Entscheidung beitragen kann, empfinde ich die „Lösung“ meistens ungerecht. Es entsteht ein Loser-Situation, weil es ein fauler Kompromiss ist.

Erst, wenn ich selbst zur Entscheidung beitragen kann (Konsens), kann ich auch eine Entscheidung tragen. Zum Beispiel, wenn ich eine Pizza aufteile und dann an die Mitesser auch noch die Stück verteile. Einer fühlt sich bestimmt benachteiligt und es entsteht eine schlechte Stimmung. Der mit dem größten Stück beklagt sich nicht, dass er ungerecht behandelt wurde. „I cut and you choose“ wäre die andere Möglichkeit alle an der Entscheidungsfindung zu beteiligen. Vielleicht habe ich keinen großen Hunger und wähle ein kleines Stück, dann ist es aber meine Entscheidung.

Staatliche Einrichtungen, die gerecht sein wollen oder durch politische und gesetzliche Vorgaben gerecht sein müssen, können dies genauso wenig leisten, wie bei der Pizzaaufteilung. Es kann gar keine „win-win“-Situation entstehen, weil der „Empfänger“ der Gerechtigkeit immer am Ende der Entscheidungskette ist und nur hoffen kann, dass er „gerecht“ behandelt wird.

Es liegt m.E. an uns selbst, den Entscheidungsprozess transparent zu machen und uns selbst einzubringen. Generationengerechtigkeit fängt im kleinen an. Früher hieß es, unsere Kinder sollen es einmal besser haben. Haben unsere Eltern das wirklich erreicht? Und was ist besser? Es liegt an jeder Generation, aktiv dazu beizutragen, dass die Welt in der wir leben „gerechter“ und „besser“ ist. Wenn ich heute einen Pappbecher (Coffee to go) in die Landschaft schmeiße, muss ich davon ausgehen, dass spätere Generationen meinen Müll wegräumen werden.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Melde mich urlaubsbedingt erst ganz kurz vor Ende des Themas „Gerechtigkeit“. Im vorstehenden Text wird es schon angesprochen: was ich gerecht – wer entscheidet, was gerecht ist? In den letzten Monaten habe ich mir oft die Frage gestellt, nach welchem Wertesystem, nach welcher Übereinkunft entschieden wird oder wir auch nur empfinden, dass etwas gerecht ist.
    Wenn jemand mit einem Handicap z.B. in einer Behindertenwerkstatt mit Leidenschaft, mit all seinen Fähigkeiten ein Produkt erstellt, seine maximale Leistung erbringt und maximal den Mindestlohn erhält und auf der anderen Seite der Manager eines Automobilkonzerns diesen in eine schlechte Position steuert, Misswirtschaft betreibt, dem Konzern schadet und dafür Millionen erhält, ist das gerecht? Wann haben wir entschieden, dass die eine Leistung weniger Wert ist als die andere? Sind wir der Meinung, dass es gerecht ist, in der Gesundheitswirtschaft, in der Pflege ca. 2.000 Euro weniger zu verdienen als in der Finanz- und Versicherungsbranche, wie kürzlich in der Zeit zu lesen war?
    Wo müssen wir ansetzen, damit es ein bisschen mehr gerecht in unserem Land in unserem Leben zugeht?
    Ich freue mich auf eine inspirierende und spannende Diskussion am 2. September.

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