Ein Blick nach Japan – Prognose für eine alternde Gesellschaft

Bevölkerungsprognose Japan; Quelle: Reuters Graphics, "Going Gray"

Die Nachrichtenagentur Reuters erklärt in dem mit beeindruckenden Visualisierungen ergänzten Artikel „Going Gray“ was die Weltgemeinschaft von der ältesten Gesellschaft der Welt, Japan, für die Zukunft lernen kann.

In Japan sind derzeit 28 Prozent der Bevölkerung älter als 65 Jahre alt, bis 2050 werden dies sogar über 35 Prozent sein. Deutschland folgt als eine der ältesten Gesellschaften weltweit dicht dahinter. Was können wir von den Erfahrungen der japanischen Bevölkerung lernen?

Die auch in Deutschland beobachtbare Wanderungsbewegung von ländlichen Räumen in Städte hat in Japan bereits neue Dimensionen erreicht. Die vier größten Städte Japans wachsen aufgrund der Konzentration von Universitäten, Jobs und politischen Institutionen immer weiter und hinterlassen den ländlichen Raum mit großen Problemen. Dies sorgt auch für eine Zersplitterung der Familien. Die Jungen ziehen in die Städte, weil sie nur dort eine Zukunft sehen, die Alten bleiben in ihrem ländlichen Zuhause. Immer mehr Menschen in Japan sterben dadurch allein. Ihre Überreste – in Form von Urnen – müssen von den Verwaltungen eingelagert werden, weil sich die Angehörigen nicht um die Bestattung kümmern oder sich diese einfach nicht leisten können.

Seit dem japanischen Babyboom nach dem zweiten Weltkrieg ist die Geburtenrate immer weiter zurückgegangen, inzwischen nimmt die Prognose für die Bevölkerungspyramide die Form einer Zigarre an. Eine ähnliche Entwicklung wird auch in Deutschland erwartet, seit den Babyboomer Jahren der Nachkriegszeit sinkt auch hier die Geburtenrate stetig. Dem japanischen Arbeitsmarkt fehlen dadurch Arbeitskräfte und es wird immer stärker auf Automatisierungsprozesse gesetzt, um Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Dies passiert auch verstärkt in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen. Dort leisten Roboter den älteren Menschen Gesellschaft, damit diese nicht mehr völlig allein sind. Eine weitere Herausforderung ist die steigende Zahl älterer Insassen japanischer Gefängnisse. Es gibt inzwischen eigene Einrichtungen für ältere Insassen in denen diese besondere Hilfe bekommen, um den Alltag im Gefängnis bewältigen zu können.

Japan hat auf die Herausforderungen des demografischen Wandels zuletzt mit  einer Erhöhung der Steuern reagiert wie auch die traditionell restriktive Immigrationspolitik gelockert. Japan erlaubt 345.000 ausländischen Arbeitern die Einreise, um der schwindenden Arbeitskraft entgegenzuwirken.

Ähnliche Veränderungen werden unter anderem auch für die deutsche Gesellschaft prognostiziert. Der Blick nach Japan kann helfen diese Herausforderung lösungsorientiert anzugehen und nachhaltig zu bewältigen.

Mit Generationen im Gespräch möchten wir einen Beitrag dazu leisten das lokale Herausforderungen gemeinsam von jungen und älteren Menschen angegangen werden – denn die bevorstehenden Veränderungen betreffen beide Generationen gleichermaßen!

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