Ich frag mal meine Oma …

Während der Corona-Krise sollte die junge Generation die ältere Generation schützen – in Form von körperlicher Distanz. Gleichzeitig kommen sich die Generationen näher, da sich viele junge Menschen Sorgen machen und sich bei den eigenen Großeltern informieren, wie es ihnen geht. Die Großeltern werden öfter angerufen und vielleicht bringt die junge Generation der älteren Generation die Technik näher. Körperliche Distanzen wachsen, andere Distanzen werden kleiner?

Ein Telefonat-Mitschnitt von Johanna aus unserem Generationen im Gespräch-Team und ihrer Oma aus Bayern: Die Corona-Krise aus Sicht meiner 88-jährigen Oma.

Johanna: Liebe Oma wie geht es Dir?

Oma: Naja also das Wetter, ich sag mal so, ist doch ganz gut für die Situation: Die Sonne scheint.
Außerdem habe ich es sehr komfortabel mit meinem Garten, da kann ich manchmal rausgehen und die Blumen gießen.

Johanna: Strukturierst Du Deinen Tag oder lebst Du so in ihn hinein?

Oma: Nein, ich gehe jeden Nachmittag spazieren. Einen strukturierten Tag zu haben, ist sehr wichtig für mich. Raus an die frische Luft. Das tut gut, da kommen mir dann erfrischende Gedanken.
Eigentlich muss ich sagen, ich lebe so wie immer. Die Struktur hat sich nur verschoben.

Johanna: Wie kommst Du an Deine Lebensmittel?

Oma: Die lasse ich mir liefern. Ich gehe überhaupt nicht mehr zum Einkaufen. Ich beauftrage da Nachbar*innen und / oder Familie und die stellen mir den Korb dann vor die Haustüre und wir unterhalten uns vom Küchenfenster mit großem Abstand. Niemand kommt mehr hier ins Haus. Ich beachte die Regeln. Mehr kann ich nicht tun.

Johanna: Was machst Du so den ganzen Tag?

Oma: Sehr wichtig ist natürlich mein Telefon. Ich hab kein Internet, kein Computer und auch kein Handy. Deshalb telefoniere ich viel, um Kontakt zu halten. Außerdem schreibe ich sehr viele Briefe, dafür kann ich mir viel Zeit nehmen.
Ich habe auch an meine Nachbar*innen Briefe geschrieben. Schwere Zeiten erfordern etwas Kreativität und da dachte ich mir, wie wäre es denn, wenn ich meinen Nachbar*innen vorschlage, sich jeden Samstag um 16 Uhr im Garten zu treffen. In dem Brief schrieb ich auch, dass es doch schön wäre, Musikinstrumente mit in den Garten zu nehmen. Ich bin ganz gespannt, welche Personen ich dann am Samstag alles treffen werde. Mit großem Abstand in deren Garten. So halten wir Kontakt und können uns zurufen, was wir gerade so machen und wie es uns geht.

Johanna: Was ist schwierig für Dich zu diesen Zeiten?

Oma: Leider kann die Putzfrau auch nicht mehr kommen. Das tat mir in der Seele weh, denn die braucht ja auch das Geld. Und jetzt muss ich natürlich auch wieder selber putzen. Das geht noch, ist aber anstrengend.

Johanna: Machst Du Dir Sorgen?

Oma: Nee, also Sorgen mache ich mir keine. Ich denke darüber nach und bin mir bewusst, was es bedeutet für die betroffenen Leute und auch für die Wirtschaft. Vielleicht ist meine Generation auch erprobt. Ich hab schon einiges erlebt und habe einiges durchgestanden in meinem Leben. Ich bin da nicht so zimperlich. Aus meiner Lebenserfahrung habe ich viel gelernt und wurde daraus stark und baute Resilienzen auf die vielleicht junge Leute noch nicht haben. Ich merke das auch in meinem Freundeskreis. Da denken die Leute ähnlich wie ich. Die machen sich jetzt keine Sorgen und sind eigentlich gut drauf.

Johanna: Was unterscheidet die junge und die ältere Generation in der derzeitigen Situation?

Oma: Die jungen Leute haben eine andere Sicht auf die Zukunft. Da verstehe ich schon, dass sie anders denken und sich vielleicht mehr Sorgen machen, um das was kommt und wie das alles wird in der Zukunft. Die denken anders.

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