Das Internet gehört allen Generationen – Ergebnisse zur Umfrage „Internetnutzung im Alltag und in der Corona-Zeit“

Die junge Generation ist die erste Altersgruppe, die vom Kindesalter an mit digitalen Technologien aufwächst. Auch immer mehr ältere Menschen entdecken das Internet oder arbeiten schon lange damit. In unserer vorherigen Newsletter-Ausgabe haben wir euch gefragt, wie euer Zugang zum Internet und zur Digitalisierung ist. Wir haben die Befragten in drei Altersgruppen (zwischen 16-24 Jahre; zwischen 25-64 Jahren; über 65 Jahren) unterteilt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Generationen genau anschauen zu können.

Für den Großteil der jüngeren Generation gehört das Internet zum Alltag. Aber auch 80 Prozent aller älteren Menschen, die an der Umfrage teilgenommen haben, können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Mittlerweile sind nach einer Studie des Netzwerks für digitale Gesellschaft in Deutschland drei von vier Menschen im Alter über 65 Jahre im Internet unterwegs . Das Internet ist zum Tor der Welt für Informationen und soziale Kontakte aller Generationen geworden.

Das Internet verbindet uns generationenübergreifend

Das Internet und digitale Kommunikationsformen entfalten zunehmend einen Raum für generationenübergreifende Begegnungen. Schon jetzt nutzt eine Mehrheit sowohl der jungen als auch der älteren Menschen Messenger-Dienste wie WhatsApp, um Kontakt zum Beispiel in der Familie zu halten. Die Familie ist nach wie vor der wichtigste Bezugsrahmen für die Befragten, in dem sie mit Menschen aus anderen Generationen zusammenkommen. Für ältere Menschen ist die Verbindung zu den Enkel*innen besonders wichtig. Um Kontakte mit ihnen zu halten, sind die Enkel*innen eine große Motivation für die Älteren, den Schritt ins Internet zu wagen.

Verändertes Internetverhalten durch die Corona-Krise

Die Corona-Pandemie verändert unsere Art und Weise, miteinander in Kontakt zu treten. Begegnungen bei der Arbeit und im Privaten verlagern sich zunehmend ins Digitale, wenn physische Treffen nicht möglich sind. Junge Teilnehmende (16-24 Jahre) der Umfrage sagen, dass sie in der Corona-Krise mehr Zeit im Internet verbringen. Für die anderen Generationen trifft diese Aussage nur teilweise zu; über die Hälfte stimmt nicht zu. Fest steht: Der überwiegende Teil der Teilnehmenden hat das Angebot von Online-Konferenzen und Webinaren bereits für sich privat als auch in der Schule oder im Beruf genutzt, auch eine große Mehrheit der älteren Menschen.

Datenschutz im Internet geht alle etwas an – Was kann Medienbildung da tun?

Die Barrieren, digitale Formen der Kommunikation auszuprobieren, verringern sich für Jung und Alt. Unserer Umfrage zufolge wird deutlich, dass digitale Kommunikation unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen verändert. Bei Expert*innen für Medienbildung wie Dagmar Hirche setzt sich eine Erkenntnis durch: „Wenn ältere Menschen online sind, verhalten sie sich wie junge Leute, mit etwas weniger Nutzung sozialer Medien, vor allem aus Gründen der Datensicherheit.“

Digitale Workshop-Formate können zu einem bedeutsamen Angebot werden, um den Austausch und die Diskussion zwischen den Generationen fortzuführen und zu ergänzen. Alle Altersgruppen können sich in großer Mehrheit grundsätzlich vorstellen, an einer digitalen Veranstaltung teilzunehmen. Bei den älteren Befragten (über 65 Jahre) stimmen über zwei Drittel zu, bei den Jüngeren sind es 85 Prozent.
Sicherheit im Umgang mit digitalen Anwendungen wäre also ein gutes Thema für einen generationenübergreifenden Workshop, denn es existiert noch viel Unsicherheit bei Alt wie Jung darüber, wie sich das Internet für sich persönlich gut und sicher nutzen lässt.

Politische Beteiligung im Netz aktivieren Jung und Alt

Das Internet bietet neue Wege und Bausteine für die politische Meinungsbildung und Beteiligung. Die Arbeit in den Parteien und anderen politischen Organisationen wird immer mehr im Internet organisiert. Sie ersetzt aber nicht den persönlichen Austausch. Die Umfrage zeigt: Bei der jungen und mittleren Generation nimmt die Mehrheit der Befragten an digitalen Beteiligungsangeboten teil. Bei der älteren Generation gibt die Hälfte der Befragten an, sich an politischen Prozessen im Internet zu beteiligen. Online-Petitionen sind zum Beispiel ein machtvolles Instrument geworden, um Menschen für politische Forderungen zusammenzubringen.

Das Internet gegen die Einsamkeit – Ein wirksames Mittel?

Kaum eine*r der Befragten glaubt, dass das Internet Einsamkeit verhindern kann. Die Antworten machen deutlich, dass das Internet höchstens die Symptome lindert, aber nicht die Ursachen bekämpft. Einsamkeit ist ein soziales Problem, dass nicht mit Technologie überwindbar ist.
Das Thema Internet und Einsamkeit ist auch in der Politik angekommen, unter umgekehrten Vorzeichen: Angesichts einer zunehmend mobilen und digitalen Gesellschaft will die Regierung in Deutschland Strategien entwickeln, der Einsamkeit in allen Altersgruppen vorzubeugen und Vereinsamung abzubauen. Einsamkeit ist eine Herausforderung, die in allen Generationen vorkommt.

Spannend ist, dass sowohl die jüngere als auch die ältere Generation halten Online-Dating für eine generationenübergreifende Sache. Für die Jüngeren ist es selbstverständlich, dass auch ältere Menschen Dating-Portale nutzen. Für die ältere Generation gilt das auch. Digitale Rendezvous sind also ein Thema über die sich die Generationen austauschen können.

Bild Von Freestocks Photos